Schlagwörter: Bettine von Arnim Kommentarverlauf ein-/ausschalten | Tastaturkürzel

  • blechtram 9:45 am am March 5, 2020 Permalink | Antworten
    Tags: , , Bettine von Arnim,   

    Toller Ausdruck der Woche: Arrieregarde 

    Fundort: Bettine von Arnim: Die Günderode

    Der Ausdruck bezeichnet bei Bettine von Arnim natürlich noch im ursprünglichen Wortgebrauch eine militärische Nachhut, denn arrière-garde ist natürlich das Gegenstück zur avant-garde, der Vorhut. Dass die Avantgarde (jedenfalls das Wort) ihre militärischen Wurzeln irgendwann zugunsten einer „kulturprogressiven“ Kampfmetapher verloren hat, ist bekannt:

    Auf die Kunst übertragen wurde das Wort im Saint-Simonismus. Der früheste Beleg für den Künstler als Avantgarde an der Spitze einer sozialen Bewegung findet sich bei Olinde Rodrigues, einem Jünger Saint-Simons, in dem Dialog ‚L’Artiste, le Savant et l’Industriel‘ (1825). In der deutschen kunstkritischen und -wissenschaftlichen Diskussion gibt es das Wort seit der Jahrhundertwende.

    (Jäger, Georg: Avantgarde. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Bd. 1. Hg. v. Klaus Weimar. Berlin 2007, 183–187, hier 184.)

    Dass die Arrieregarde (again: das Wort) eine ähnliche Karriere gemacht hat, liegt weniger auf der Hand und sie tat es auch erst im Nachtrab zu der Bedeutungsentwicklung der Avantgarde. Offenbar war eine Fortschrittsmetapher im Kulturdiskurs früh gewollt, während ein künstlerisches Nachhinken nie die gleiche begriffliche Dringlichkeit genoss. Naja.

    Besonders gut untersuchen lässt sich der Wortwandel im Digitalen Wörterbuch der Deutschen Sprache auf die Schnelle nicht, aber soviel lässt sich mal sagen: Im älteren Korpus findet sich „Arriere-Garde“ (man beachte für die Schlagwortsuche den Bindestrich) mit einigen Belegen, sämtlich aus dem 18. Jahrhundert, sämtlich in militärischer Grundbedeutung. Im jüngeren Korpus finden sich einige Belege für die Schreibweise „Arrieregarde“, sämtlich für das 20. Jahrhundert, sämtlich als Kulturmetaphern.

    Im Duden ist Avantgarde als Metapher in erster Wortbedeutung lexikalisiert, das heisst, die Metapher wird dort als die derzeit massgebliche Bedeutung ausgewiesen (als „Gruppe von Vorkämpfern einer geistigen Entwicklung„). Das ist für Arrieregarde nicht der Fall, notiert wird dies im Duden als „Nachhut, Militär veraltet„. Der kurze Scan des DWDS (keine zuverlässige Basis für eine Schlussfolgerung, aber eine gute Ausgangslage für eine Anschlussfrage) legt aber nahe, dass Arrieregarde, wenn auch nicht so populär wie Avantgarde, im Deutschen nicht mehr, oder zumindest nur zweitrangig, in seiner militärischen Bedeutung verwendet wird.

    Das wirft eigentlich vor allem eine Frage auf: Ab wann und unter welchen Umständen werden im Duden metaphorische Bedeutungswandlungen lexikalisiert? Wer entscheidet das aufgrund welcher Daten? Ich frag mal nach.

     
  • blechtram 5:53 pm am May 29, 2019 Permalink | Antworten
    Tags: Beat-Generation, Bettine von Arnim, James Dean, , Live Fast Die Young,   

    Momente voller Plunder: Arnim & die Beat-Generation 

    Quelle: Die immer grossartige Zvab.com-Photographie

    Ein weiterer Moment voller Plunder aus der Kulturgeschichte. Heutiges Fundstück: Bettine von Arnim denkt an einem Brief an Karoline von Günderrode [sic] über die Beat-Generation und James Dean nach:

    Da ist’s deutlich, daß der Geist auch nur Frühlingsatem schöpft und daß Jugend nicht in Zeit sich einschränkt, die vergeht, da Lebenslust nicht vergehn kann, weil, wie Natur Frühling aufatmet, wir Lebensbegeisterung aufatmen.– Es ist dumm, was ich hier sag, ist nicht uneingehüllter Geist, der den Wahn vernichtet, aber unter der armseligen Hülle des zwanzigmal wiederholten Vergleichs liegt einer zerschmetternden Antwort Keim auf das, was Du mir schon mehr als einmal gesagt hast: „Recht viel wissen, recht viel lernen, und nur die Jugend nicht überleben. – Recht früh sterben!“

    (Bettine v. Arnim: Die Günderode. Leipzig: Insel 1983 [1840]. S. 413.

    Abb. Deutsches Textarchiv

     
  • blechtram 10:04 am am March 2, 2019 Permalink | Antworten
    Tags: Bettine von Arnim, , Nachpetern,   

    Toller Ausdruck der Woche: Etwas nachpetern 

    Quelle: ZVAB

    Schreibt Bettine von Arnim in ihrem Buch Die Günderode (1840):

    Du weißt, Du sagtest, der [ein Tiroler] hab ein Antlitz und kein Gesicht, ich fragte: was ist das, ein Antlitz? – Du belehrtest mich, das sei noch aus der Form Gottes, nach seinem Ebenbild geschaffen, aber Gesichter, die seien nur so nachgepetert, wo die Natur nicht hat wollen mit dabei sein und die Philister allein sich erzeugen lassen […].

    Bettine von Arnim: Die Günderode. Leipzig: Insel 1983 [1840]. S. 267.

    Etwas nachpetern: hier eindeutig im Sinne von „etwas nachlässig und minderwertig kopieren oder nachahmen“. Interessanterweise finden sich dafür überhaupt keine Belege, weder in geläufigen Wörterbüchern (Grimm, DWDS, Duden, Adelung), noch bei Lord Google. Eine Ableitung vom Englischen „to peter (out)“ (ausdünnen, auslaufen) ist natürlich denkbar, halte ich aber für unwahrscheinlich.

     
  • blechtram 9:48 am am February 16, 2019 Permalink | Antworten
    Tags: Bettine von Arnim, Emojis, Kulturgeschichte, ,   

    Momente voller Plunder: Arnim & Emojis 

    Quelle: Die immer großartige zvab.com-Photographie

    Volume 1 der Momente voller Plunder aus der Kulturgeschichte. Heutiges Fundstück: Bettine von Arnim denkt an einem Brief an Karoline von Günderrode [sic] über die Erfindung der Emojis nach:

    „Im Gartenhäuschen, wo wir vorm Jahr um die Zeit uns zum erstenmal gesehen haben – also ein ganz Jahr sind wir schon gut Freund miteinander???!!! – – – und so könnt ich fortfahren, Zeichen zu machen der Verwunderung, des Stummseins, des Denkens – Seufzens; ja, wenn ich ein Zeichen des Schauderns, der Tränen zu machen wüßte, so könnte ich die Blätter voll der merkwürdigsten Gefühle bezeichnen, denen ich kein Namen zu geben weiß.“

    Bettine v. Arnim: Die Günderode. Leipzig: Insel 1983 [1840]. S. 174.

    Abb: http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/arnimb_guenderode01_1840/?hl=Schauderns&p=259

     
c
Neuen Beitrag erstellen
j
nächster Beitrag/nächster Kommentar
k
vorheriger Beitrag/vorheriger Kommentar
r
Antworten
e
Bearbeiten
o
zeige/verstecke Kommentare
t
Zum Anfang gehen
l
zum Login
h
Zeige/Verberge Hilfe
Shift + ESC
Abbrechen