Toller Ausdruck der Woche: Geiste (Pl.)

Geiste, als Plural von Geist. Heute nur noch üblich für die Wortbedeutung von Geist im Sinne von Branntwein.

Geiste, glaubt man dem entsprechenden Eintrag in der Digitalversion des Grimm’schen Wörterbuchs, ist tatsächlich der ältere (und deshalb lange Zeit korrektere) Plural für alle Bedeutungen von Geist:

der heutige plur. geister tritt schon mhd. einzeln auf (wb. 1, 496ᵃ, Lex. 1, 798), z. b.:

Bei genauer Betrachtung fällt auch auf, dass die Pluralendung -er ohne Umlaut für maskuline Wörter im Deutschen fast nie vorkommt. Nota bene: maskuline Wörter, die schon im Singular auf -er enden, also Lehrer, Schüler, Meister o.ä., haben im Plural eine Nullendung (ø) – das -er wird nicht für den Plural angefügt, es ist im Singular ja schon da. Mit Umlaut ist das -er-Suffix im Plural relativ häufig: Mann / Männ-er, etcetera.

Tatsächlich scheint Geister in Analogie zum -er-Plural von Neutrumwörtern, die auch auf einen Konsonant enden, gebildet worden zu sein. Dieser Plural kommt relativ häufig vor: das Kind, die Kind-er; das Kleid, die Kleid-er. Das ist aber eine Spekulation meinerseits.

Die beiden Plurale Geister und Geiste haben offenbar schon relativ früh und dann sehr lange nebeneinander existiert. Ich konnte nicht feststellen, wann sich festgesetzt hat, dass Geiste als Plural nur noch für eine bestimmte Wortbedeutung von Geist verwendet wird. Wer hat das zu verantworten? Hat das irgendein Grammatiker entschieden? Wann? Grammatikhistoriker*innen bitte vor!

Aber schön zu erfahren: der heutzutage eigenartig klingende Plural Geiste war wohl ursprünglich der eigentliche und „regelmäßigere“:

der regelrechte mhd. pl. geiste hält sich auch nhd. noch neben geister

Wir merken uns:

Nicht (mehr) korrekt: Die Geiste, die ich rief.
Korrekt: Die Geiste, die ich trank.