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  • blechtram 1:57 pm am October 23, 2020 Permalink | Antworten
    Tags: Grind, Grindelwald,   

    Küchengespräche: Kopf, Grind, Grindelwald 

    Dieses Küchengespräch drehte sich darum, woher der schweizerische (eigentlich: insgesamt süddeutschsprachige) Ausdruck «Grind» (für: Kopf) stammt, und ob er etwas mit der Ortschaft Grindelwald (Berner Oberland) zu tun habe.

    Sofort wurde von lokalbetroffener Seite anekdotisch eingeworfen, dass Grindelwald so heisse, weil dort grosse «Grinde» – runde Felsen – herumlägen, woran sich wiederum die Frage knüpfte, ob diese Felsen ihren Namen von runden «Grinden», Köpfen, hätten. Also gleich drei Fragen:

    1. Woher stammt das Wort «Grind» für Kopf?
    2. Gibt es eine Wortbedeutung «Grind» für Felsen?
    3. Was hat das bzw. hat das was mit Grindelwald zu tun.

    Das lässt sich etymologisch alles einigermassen klar benennen:

    1. Der «Grind» bezeichnete laut DWDS ursprünglich eine Art räudigen Ausschlag, der wohl oft am Kopf auftrat, mit Haarausfall einherging und deshalb auch als «Kopfgrind» bezeichnet wurde. Dies übertrug sich dann in abwertenden Kontexten auf den Kopf als «Grind», «mit Ausnahme von einigen Gebieten, wo das W[ort] nicht eben als anstössig gilt» (so das Schweizerische Idiotikon). Der krustige, schorfige, eben «grindige» Ausschlag hat seinen Namen wegen seiner krustigen Beschaffenheit dann wiederum von älteren Wortformen grint, grind, grand, grund etc., die alle ungefähr Kies, Sand oder zermahlene Steine bedeuten (vgl. englisch to grind).
    2. Diese Ursprungsbedeutung wiederum führt ziemlich direkt zu der Bedeutung von Grind als Felsen bzw. «Felskopf, -kuppe, -vorsprung, isolierter, kleiner Felsen» etc., wie zumindest das Schweizerische Idiotikon als Bedeutung 2 (Kopf) unter Punkt c verzeichnet. Ob da ein faktischer Zusammenhang zu dem Kies von oben besteht, dazu äussert sich z.B. das DWDS nicht. Das Idiotikon führt wunderbar aus:

    «Viell[eicht] beruht auch die im Text an 2c angeschlossene Bed[eutung] ‘kahle Stelle’ auf der nämlichen Anschauung, möglicherweise auch diejenige des mit vereinzelten Grasbüscheln (wie der grindbehaftete Kopf mit einzelnen Haarbüscheln) besetzten Felsabhanges».

    Schweizerisches Idiotikon: Grind

    Immerhin ist die Anekdote von Grindelwalds Namensherkunft von den Felsköpfen her annähernd etymologisch begründbar. Wahrscheinlich ist sie aber falsch.

    3. Grindelwald hat seinen Namen eher nicht von «Grind» genannten Felsen, wahrscheinlicher ist laut den einschlägigen Quellen eine Verbindung zum in Flurnamen hier und da anzutreffenden «Grindel» oder «Grendel», das einen Schlagbaum, Holzriegel oder Holzzaun bezeichnet, der etwas absperrt (s.u. Friedli 1908). Im Althochdeutschen schon als grintil, grintel, grindel usw. vorhanden, und in der Form «Grindel» scheint das laut Duden sogar noch ein (landschaftlich) heute in dieser Bedeutung gebrauchtes Wort zu sein. Who knew! Die Version, dass sich Grindelwald von Felsköpfen herleitet, wird, wie ich erfahren durfte, von einigen Einheimischen hartnäckig hochgehalten (mit Ausschmückungen, dass z.B. die Grindelwalder den Talboden hinaufzogen, um oberhalb von bestimmten «Grinden» aka Felsköpfen zu wohnen, falls diese herunterrollen sollten usw.), aber neben den Fachquellen präferiert sogar die kommerziell-lokalpatriotische Webseite Wir Grindelwalder die verbuchte grintil-Version Und ausführlich dargestellt ist diese in einer frühen Quelle, nämlich: Friedli, Emanuel: Bärndütsch als Spiegel bernischen Volkstums. Zweiter Band: Grindelwald. Bern: Francke 1908, 192f.

    Friedli 1908, 193.

    Quellen:

    Digitales Wörterbuch der Deutschen Sprache: Grind: https://www.dwds.de/wb/Grind

    Digitales Wörterbuch der Deutschen Sprache: Grindel: https://www.dwds.de/wb/Grindel

    Duden: Grindel: https://www.duden.de/rechtschreibung/Grindel

    Friedli, Emanuel: Bärndütsch als Spiegel bernischen Volkstums. Zweiter Band: Grindelwald. Bern: Francke 1908, 192f.

    Schweizerisches Idiotikon: Grind: https://digital.idiotikon.ch/idtkn/id2.htm#!page/20759/mode/1up

    wir grindelwader: https://www.wir-grindelwalder.ch/index.php?id=90

     
  • blechtram 9:20 pm am September 27, 2020 Permalink | Antworten
    Tags: Kunstgalerie,   

    Vignetten, Vol. 33 

     
  • blechtram 10:24 am am August 7, 2020 Permalink | Antworten
    Tags: Holzrahmen,   

    Kunst im öffentlichen Raum: Vol. 14 

    Vol. 14: Bern
     
  • blechtram 4:49 pm am July 24, 2020 Permalink | Antworten
    Tags: Dorian Gray, Oscar Wilde,   

    Vignetten, Vol. 32 

     
  • blechtram 1:38 pm am May 18, 2020 Permalink | Antworten  

    Billet trouvé, Vol. 18 

    Manchmal sind die Abs. Firmen wahnsinnig gefährlich den Inhalt so zu versenden, merci
    Post
     
  • blechtram 12:31 pm am May 14, 2020 Permalink | Antworten
    Tags: Elio Pellin, Hermann Burger, Pluralis sanitatis,   

    Toller Ausdruck der Woche: Pluralis sanitatis 

    Fundort: Burger, Hermann: Die künstliche Mutter.
    Frankfurt/M.: Fischer 1982. S. 166.

    Pluralis sanitatis, also die Verwendung der ersten Person Plural in Sätzen wie „Wie geht es uns denn heute?“ oder „Hatten wir Stuhlgang?“ – toll, habe ich zuerst bei Hermann Burger gesehen und ihm automatisch auch sofort die Urheberschaft zugeschrieben, da es zu seinen anderen poeto-grammatischen Spielereien passt, etwa den konjunktivischen Substantiven („Töd“ als möglicherweise eintretender Tod in Schilten und derlei).

    Ich wurde belehrt: Das scheint ein bekanntes linguistisches Konzept zu sein, ganz analog dem bekannteren Pluralis majestatis. Der Duden beschreibt ihn auch als „Krankenschwesternplural„, erwähnt dazu noch den Pluralis modestiae, wenn jemand „wir“ statt „ich“ sagt, um die eigene Person etwas zurückzunehmen – ungefähr, wenn eine Politikerin eine Stichwahl gewinnt und dann „Wir waren von Anfang an zuversichtlich und haben das jetzt geschafft“ sagt.

    Der Pluralis modestiae wird oft mit dem Pluralis auctoris ungefähr gleichgesetzt. Das ist die im Deutschen langsam aussterbende Angewohnheit, „wir“ in (vor allem) akademischen Texten zu verwenden („In diesem Kapitel werden wir zeigen“, „Damit wären wir am Schluss unserer Ausführungen“), die sich im Französischen meiner Erfahrung nach aber noch beinahe selbstverständlicher Verwendung erfreut…

    Daran angelehnt gibt es noch einen Pluralis societatis, wie mir der dritte Teil des Buches Sprachgeschichte (Hg. Werner Besch, Anne Betten, Oskar Reichmann, Stefan Sonderegger) mitteilt. Das ist, wenn eine Rednerin oder Autorin bei ihren Ausführungen das Publikum mit einbezieht. Das Buch benennt darüber hinaus auch den Pluralis reverentiae, 2. Person Plural („Eure Majestät“).

    Ich bin neulich wieder auf diesen Plural gestossen, in Elio Pellins verspieltem Kurzroman Der Himmel als Abgrund über euch. Pellin fügt den genannten noch eine weitere Mehrzahl hinzu, den Pluralis praegnationis (13. Kapitel):

    Link zur Blog-Version des Romans

    Das ist eine Neuschöpfung, soweit ich sehe, und es geht ungefähr darum, ob die hier sprechende Salomé von Erlach, da sie schwanger ist, mit grösserer Berechtigung einen der anderen hier disktuierten Plurale verwendet.

    Wie dem auch sei: Pluralis sanitatis, wunderbar, nicht von Burger erfunden und auch nicht der einzige kuriose Plural.

     
  • blechtram 10:00 am am May 9, 2020 Permalink | Antworten
    Tags: Siebter Sinn,   

    Vignetten, Vol. 31 

     
  • blechtram 8:17 am am May 6, 2020 Permalink | Antworten
    Tags:   

    April 2020 Updates: Complete Blues Discographies 

    These are the April updates for my Complete Blues Bio-Discographies list. A more complete version (as of now) is here.

    Please note that this is the order in which I updated the list, not the order of living dates, recording dates or order in which the names appear on the list.

    Henry Thomas
    Washington Phillips
    Gus Cannon / Cannon’s Jug Stompers
    Jimmy Reed
    Jim Jackson
    Sam Collins
    Skip James
    Otis Rush
    Frank Stokes
    Ishman Bracey
    Big Bill Broonzy
    Blind Willie Johnson
    Blind Willie McTell
    Texas Alexander
    Barbecue Bob
    The Beale Street Sheiks
    Memphis Jug Band
    William Harris
    St. Louis Bessie
    Walter «Buddy Boy» Hawkins
    Alice Moore
    Mississippi John Hurt

     
  • blechtram 2:51 pm am April 29, 2020 Permalink
    Tags: Covid-19, Fasnacht, , Masken   

    Kontige Objekte: Fasnacht 

     
  • blechtram 11:38 am am April 23, 2020 Permalink | Antworten
    Tags: , , , Can, , Krautrock, , Must for Fans,   

    Can: Tago Mago [40th Anniversary Edition Bonus CD] 

    Rating: 7.1/10
    Rated as
    : Archival / Live
    Album Status
    : Must for Fans
    Released: 2011
    Recorded: 1972
    Specific Genre: Krautrock
    Main Genre: Experimental Rock, Rock
    Undertones
    : Ambient, Free Improvisation, Psychedelic Rock
    Label: Spoon 40SPOON6/7

    [Disc 1: 1.1 Paperhouse 1.2 Mushroom 1.3 Oh Yeah 1.4 Halleluhwah 1.5 Aumgn 1.6 Peking O 1.7 Bring Me Coffee or Tea]
    Disc 2: 2.1 Mushroom 2.2 Spoon 2.3 Halleluhwah

    Love me! You gotta love me!

    Tago Mago is – at least in recurring intervals – my favourite album. But let’s talk about the live bonus material from the 40th-anniversary edition. The bonus CD with the live material contains three tracks from a live performance in 1972. Unsurprisingly, the sound quality isn’t quite up to snuff – aside from being murky, especially Karoli’s guitar suffers from being buried in the mix, sounding as if he played from down the hallway. Well, we do with what we can get. I’ll go into the details, but what you get it is what you want and expect: Anxious, extremely rhythm-driven nightmares, amazing examples of free form tension-and-release, some chaotic nonsense, irresistible grooves: bleak, hypnotic, riveting. Well, it’s Can. What did you expect?

    Two main points: The rather murky sound quality doesn’t really damage the enterprise, because it fits the claustrophobic, future-noir sound. But besides a riveting second track and an at least interesting mini-version of „Halleluhwah“, there is nothing to learn about Can here that can’t be experienced as good or better on other available live material. Secondly: The reason to get this is the 30-minute second track „Spoon“ which features everything you want in a Can jam: disorientation, paranoia, exploration and a beautiful, ethereal ending in an ambient-style hinting at 1973’s Future Days. Only half of this jam is available on The Lost Tapes (as is the less interesting opener „Mushroom“, a rare jam where they lose focus and decide to run the thing into the ground). The third track is a brief nine-minute „Halleluhwah“, in an interesting version where everything happens slightly too fast, it plays like a one-act-version of the epic original and fades out before the climax – I can only assume due to some technical error or scrambled tapes.

    PS. The cover art hasn’t been changed. The photograph you see on the cover is a detachable carton sleeve to protect the gatefold vinyl replica inside, featuring the famous original head and is very nicely done all in all. Complete with several interesting liner notes by fawning fellow musicians but little historical information, it is a beautifully made reissue, less informative than it could be.

     
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