Toller Ausdruck der Woche: Arrieregarde – Nachtrag!

In diesem Beitrag hatte ich mich sehr darüber gewundert, warum für Avantgarde die metaphorische (kultur- und kunstprogressive) Bedeutungsvariante im Duden lexikalisiert ist, während dies für Arrieregarde nicht der Fall ist, obwohl ein Blick in ein DWDS-Korpus zeigt, dass im 20. Jahrhundert auch hier eigentlich nur die metaphorische (kultur- und kunstregressive) Bedeutung verbucht ist.

Deshalb habe ich beim Institut für Deutsche Sprache (IDS) nachgefragt. Und tatsächlich, nicht einmal vier Tage später kam die erlösende Antwort. Klar, sie ist so allgemein wie die Frage, aber trotzdem: Das ist sprachbenutzer*innenorientierter Service, ich bin baff. Zehn von zehn Punkten für das IDS. Hier die Antwort:

Kontige Objekte: Duden vs. Klopapier

Diese Wörter wurden laut der Online-Duden-Webseite so ungefähr Mitte März 2020 „häufig nachgeschlagen“. Natürlich (und hier für die Nachwelt): Das sind die Wörter bzw. Produkte, ohne die es die Welt zu jener Märzenzeit nicht durch die Corona-Krise geschafft hätte. Bei Google-Trends erstaunt eine solche Suche also nicht unbedingt (man muss ja googeln, ob’s im Supermarkt um die Ecke noch „Reis“ gibt und wieviel 500 Gramm „Pasta“ jetzt kosten). Bei einem Wörterbuch ist die Schlagwortsuche doch kurios. Meine erste Annahme war, dass der Online-Duden einfach schummelt und sich die Wörter bei Google Trends o.ä. besorgt hat – das hat aber nur sehr bedingt mit den Google Trends jener Zeit übereingestimmt („Klopapier“ wurde tatsächlich wie verrück gegoogelt, aber z.B. für „Pasta“ habe ich keine entsprechende Google-Statistik gefunden). Jedenfalls liegt die Vermutung nahe, dass die „häufig nachgeschlagenen Wörter“ mehr oder weniger stark kuratiert sind. Das ist ja auch sinnvoll, sonst würden dort konsequent Dinge wie „wi(e)dersprechen“ und „R(h)yt(h)mus“ die Charts anführen. Ich hab mal beim Duden nachgefragt:

Die Antwort steht noch aus. Es bleibt spannend: Klopapier. Pasta. Pesto. Reis.

Album covers: People in the foreground, people in the background

This is a „failed project“ entry, up to this point anyway. I wanted to pick up a new hobby here, which would consist in researching, identifying and collecting people on album covers that are not the musicians themselves. Now, I knew that this in some cases would be easy: Some covers use famous models which are known, like Jerry Hall on the cover of Roxy Music’s Siren.

Other cases are more obscure, but some covers and bands are so famous that every detail about them is already researched, as is the case for Paul Cole, an American tourist who happened to be there on the right in the background when the Beatles took the Abbey Road cover. By his own account, he didn’t even know who the Beatles were at the time.

So I started sorting through my record collection and the first interesting fact is simple but telling: For about the first decade of commercial vinyl-Lps, there were basically no models on album covers other than the musicians. Covers were either impersonal artworks or featured the musician(s). Now, this is from a small sample and probably genre-skewed – I own mostly blues and jazz records from that period, only some commercial pop and classical, so I don’t know exactly how the chips fall there. But the first album in my collection to properly sport a human being that isn’t playing on said record turned out to be Lonely Woman (1962) by the Modern Jazz Quartet.

Now, how do you go about identifying that woman? The photographer is credited: Richard Heimann. Not a lot of information about him, but he seemed to be a glamorous guy in a glamorous world marrying and photographing glamorous models. The little information available really gives off this kind of Frank-Sinatra-movie-character.

If Richard Heimann took that picture, who is the model? I don’t know and I didn’t find out. There was a possible clue: He was married to Carmen Dell’Orefice from 1958–1960, the „oldest working supermodel“ in the business, as I learned. Actually, most of the information you find about Heimann stems from this marriage or interviews with Dell’Orefice, because she became super-famous, he didn’t. So this was at least a clue, and I looked at some of Dell’Orefices portraits before 1962. Here’s one from 1956:

Same style, but that’s just the general model look from that period. But it isn’t quite the same woman, is it? I tried to contact Dell’Orefice’s agency to confirm or at least deny that it is her on the album cover, but I couldn’t even get a proper contact address. At this point, the „research“ turned into random rummaging. Dell’Orefice was friends with another famous model from the time, a certain Suzy Parker. Now, Parker looks more like the woman on the cover, I think.

But it’s still just a basic guess – hair style and make up lead to a pretty homogenic look of the period. And I couldn’t find a picture of Parker that really convinces me – the one I picked here is the closest one, and it hardly fits the purpose of comparison. And, looking at coloured photos, she seemed to have reddish instead of dark hair most of the time.

Anyway, Suzy Parker was the sister of an even more famous model of the period, „the original supermodel“ Dorian Leigh (Parker). Let’s put some portraits next to the cover in question:

Well, it’s anyone’s guess. I’m a bit amazed at the homogenic style which probably goes for any period, but I have no idea who the model on the album cover is. The exercise stops here, at least until I am in a mood to try to find out if there is something like a Richard-Heimann–archive, which I didn’t find through official channels. And this is probably also the start and finish of the whole project. Who could’ve known. Another story of shame and misery.

And, well, feel free to contact me if you know anything about this.

Arbeitsalltag

In der heutigen Ausgabe von „Arbeitsalltag“ sammle ich bekloppte Bewerbungssätze, die ich beim Wiederlesen in meinen Bewerbungen gefunden habe. Warum, ist unklar – „Ob in Liebe oder Zorn“, da muss ich es mit Frank Zander halten.

Chronologisch von älter bis jünger:

«Der Einsatz neuester Methoden in hermeneutischen Kontexten ist mir geläufig.»

«Aus diesem Kontext bin ich mir auch über die Wichtigkeit einer stringenten Aussen- und Markenkommunikation im Klaren.»

«Das Projekt ist inhaltlicher Natur […].»

«Ob die Zahl so stimmte, weiss ich nicht.»

«Der beste Fisch, den ich je gegessen habe, war ein atum de cebolada, Thunfisch an Zwiebeln.»

«Dies war nur machbar, da mir diese Arbeit Freude bereitet.»

«Die Universität war dafür lange ein gutes Umfeld […].»

«Die Stelle entspricht in allen Aspekten optimal dem, was ich suche.»

«Was einem nicht zufliegt, muss man sich erhinken.»

«Ich habe Dissertationen, Master-Arbeiten, Finanzierungsanträge, Marketingmaterial und Romane Korrektur gelesen.»

«Darauf folgte eine [Tätigkeit], mit der ich mein Arsenal an sprachlichen Mitteln und stilistischen Finessen weiter ausbauen konnte.»

«Hinzu kommen langjährige Erfahrungen in institutionellen Zusammenhängen.»

«Wichtiger als die konkreten Tätigkeitsfelder scheinen mir aber die gefragten Fähigkeiten, die ich als [Funktion der Stelle] einbringe.»

«Zum Thema Playlist-Verwaltung und Enthusiasmus: Meine iTunes-Mediathek ist gegenwärtig nach 221 Musikgenres und -subgenres organisiert.»

«Einerseits habe ich keine jahrelange Berufserfahrung als Werbetexter, andererseits natürlich schon.»

«Aber da gehen die Vorlieben der Fachrichtungen ja schon weit auseinander.»

«Ich kenne den Unterschied zwischen grau-blau und graublau […].»

«die Stelle als [Funktion] bei [Firma] interessiert mich, schon allein, weil ich seit meinem letzten Umzug ebenfalls auf Umzugsfirmen angewiesen bin.»

«Auf meinem Schreibtisch liegt gerade das Buch Jazz in der Schweiz von Bruno Spoerri.»

«Aber ich nehme an, dafür gibt es bereits eine stabile Konvention in der Redaktion.»

«Bücher lesen ist schön, Bücher machen schöner. Das gilt natürlich auch für E-Bücher.»

«Wie vermittelt man den Sinn von Übungen so, dass diese nicht als Blindflug wahrgenommen werden?»

«Sowohl dort wie auch an der Universität habe ich auch vor grossen, relativ anonymen Gruppen gesprochen und Inhalte vermittelt.»

«Gegenwartsliteratur findet glücklicherweise nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.»

Arbeitsalltag

Schlechte Ideen für den Namen einer Radiosendung, die ich gerade konzipiere:

Geräuschkulisse

Textuelle Hörigkeit

Kontext Ton-Text

Textwut

Bücherblues

Ton, Text, Tüdelü

Alles Mist, aber „Textuelle Hörigkeit“ ist hiermit von mir getrademarkt, das verwende ich irgendwann nochmal in einem Bierzeltzusammenhang.